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Themen Special: Herzgesundheit

"Ab 35 sollte eigentlich jeder seine Cholesterinwerte kennen"

EXPERTENINTERVIEW "Herzinfarkt - Risiken rechtzeitig senken"



Interview mit Prof. Dr. med. Jürgen Schäfer, Akademischer Direktor der Philipps-Universität Marburg und Dr.-R.-Pohl-Stiftungsprofessor für Präventive Kardiologie am Universitätsklinikum Marburg, Zentrum Innere Medizin - Kardiologie.


schaefer

Herzinfarkt ist die Todesursache Nummer Eins - nicht nur bei Männern, sondern auch bei Frauen. Seine Entstehung ist gut erforscht. Was ist der aktuelle Wissensstand?


Prof. Schäfer: Wir wissen heutzutage sehr genau, dass einer der wichtigsten Faktoren für die Entstehung eines Herzinfarkts die Hypercholesterinämie, also ein Übermaß an schädlichen LDL-Cholesterin-Partikeln im Blut ist. Das LDL kann in die Gefäßwand eindringen und nach und nach zu Gefäßverkalkung bzw. Arteriosklerose führen. Derzeit ist allerdings noch unklar, warum es vor allem immer die Herzkranzarterien trifft. Mit unserer Marburger Hypothese gehen wir davon aus, dass es der hohe Energiebedarf ist, der das Herz so empfindlich für Gefäßverkalkungen macht. Darüber hinaus gibt es aber auch noch eine ganze Reihe weiterer Risikofaktoren wie ungesunder Lebensstil, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, körperliche Inaktivität oder auch eine gewisse genetische Veranlagung.

Warum sind immer häufiger auch Frauen betroffen? Woran liegt das?

Prof. Schäfer: Im Grunde genommen traf der Herzinfarkt schon immer Frauen und Männer gleichermaßen, die Frauen allerdings um etwa sieben Jahre später. Was wir jetzt jedoch beobachten, ist eine Zunahme von Herzinfarkten auch bei jüngeren Frauen. Dies lässt sich zum Teil auf einen geänderten Lebensstil zurückführen, wie zum Beispiel die Zunahme gerade auch an jungen Raucherinnen.

Welche Rolle spielt eine erbliche Vorbelastung beim Herzinfarktrisiko? Woher weiß man, dass man gefährdet ist? Wie kann man dem begegnen und ab wann?

Prof. Schäfer: Wenn innerhalb einer Familie in direkter Blutsverwandtschaft vermehrt Herzinfarkte in jüngerem Alter auftreten, dann sollte man sensibilisiert sein. Einige der erblich angelegten Risikofaktoren wie ein erhöhtes LDL-Cholesterin können wir problemlos frühzeitig bestimmen und auch sehr gut behandeln. Leider gibt es aber auch eine Reihe von Faktoren, die wir noch nicht kennen und daher auch nicht gezielt behandeln können. Deshalb sollte man verstärkt auf die bekannten Risikofaktoren achten und einen gesunden Lebensstil pflegen.

Immer wieder wird im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vom Risikofaktor Übergewicht gesprochen - andere sagen, nur Fettleibigkeit sei eine Gefahr. Was stimmt?

Prof. Schäfer: Letzteres stimmt, denn alleiniges Übergewicht mag vermehrt die Gelenke belasten und kann ein ästhetisches Problem sein, richtig gefährlich scheint aber nur die sogenannte abdominelle Fettleibigkeit, also der Bierbauch zu sein.

Ab wann und wie oft sollte man den Cholesterinspiegel bestimmen lassen? Reicht zur Einstufung des Risikos der Wert des Gesamt-Cholesterins aus?

Prof. Schäfer: Wir empfehlen vor allem den direkten Verwandten unserer durch erhöhtes Cholesterin am Herzinfarkt erkrankten Patienten die Kontrolle ihrer LDL-Cholesterinspiegel. Dieser ist uns wichtiger als das Gesamt-Cholesterin. Auch bei Jugendlichen raten wir zur Kontrolle, um einen potentiellen Risikofaktor frühzeitig zu erkennen. Ab dem 35. Lebensjahr sollte eigentlich jeder seine Cholesterinwerte kennen und, falls die Werte normal sind, alle fünf Jahre kontrollieren lassen.

Ärzte unterscheiden zwischen gutem HDL- und schlechtem LDL-Cholesterin. Sollte also idealerweise der HDL-Wert besonders hoch und der LDL-Wert möglichst niedrig sein?

Prof. Schäfer: So ist es. Im Grunde sollte das schädliche LDL-Cholesterin möglichst niedrig sein und das HDL-Cholesterin möglichst hoch. Das hat damit zu tun, dass die Gefäßverkalkung durch erhöhtes LDL verursacht wird, wohingegen das gute HDLCholesterin ein Zuviel an LDL-Cholesterin über die Leber zu entsorgen hilft und somit die Gefäßverkalkung aufhalten kann.

Kann man mit richtiger und falscher Ernährung Einfluss auf die Cholesterinwerte nehmen oder ist diese Ansicht überholt? Und welche Rolle spielt Bewegung?

Prof. Schäfer: Es ist in der Tat so, dass die Ernährung einen wesentlichen Einfluss auf die Blutfettwerte hat. Daher ist eine gesunde Ernährung ein unverzichtbares Element bei jedweder Therapie von Stoffwechselerkrankungen. Häufig wird der Effekt einer Ernährungsumstellung aber auch überschaÅNtzt, der beispielsweise im Hinblick auf eine LDLSenkung in der Regel zwischen zehn und 20 Prozent liegen kann. Es gibt aber auch Störungen, bei denen die beste Diät nichts bringt. Durch körperliche Aktivität kann vor allem das gute HDL-Cholesterin günstig beeinflusst werden.

Was können moderne Medikamente bei der Behandlung von erhöhtem LDLCholesterin leisten?

Prof. Schäfer: Wir verfügen heute über ein ganzes Arsenal an hochwirksamen und sehr gut verträglichen Medikamenten, die den LDL-Spiegel effektiv senken können. Die sogenannten Statine sind in der Lage, die Rate an Herzinfarkten deutlich zu reduzieren und stellen die Basis jeder cholesterinsenkenden Behandlung dar. Falls eine alleinige Statintherapie nicht zum Ziel führt, dann können wir mit einer Reihe anderer Medikamente kombinieren, etwa mit Cholesterinaufnahmehemmern, Nicotinsäure, Fibraten, Gallensäureaufnahmehemmern oder Fischölkapseln.

Wer muss eine Dauertherapie bekommen?

Prof. Schäfer: Alle Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten oder unter arteriellen Gefäßproblemen leiden. Des Weiteren alle Personen, die ein erhöhtes Risiko für eine Koronare Herzkrankheit (KHK) aufweisen und es auf nichtmedikamentöse Weise nicht in den Griff bekommen. Um herauszufinden, wer ein erhöhtes Risiko hat, sind die im Internet abrufbaren Risikokalkulatoren hilfreich, etwa unter www.bnk.de/transfer/procam

Quelle: www.presseservice.de, Juli 2010









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